Rosenkranz Bruderschaft heute und jetzt- ROSARY Confraternity and Ministry- now and then- by ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz

 

Rosenkranz Bruderschaft heute und jetzt

ROSARY Confraternity and Ministry

by ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz :


“Manchmal fühle ich mich, als wären wir Zwerge auf dem Rücken von GIGANTEN!”

SOMETIMES I FEEL THAT WE ARE

like DWARFS standing on the neck of giants.

BUT WE ARE WIDESPREAD AND ACTIVE!

ArchBischof Uwe AE.Rosenkranz gründete in INDIEN

am 9.11.2009 nach einer Flutkatastrophe RMI.

ROSARY Ministries International was founded

on 9/11/9 after flood devastation in INDIA.

ROSARY Anbau und Anlagen wurde 2004 gegründet.

The ROSARY company was founded in 2004.

Seit 2014 entsteht eine weltweite UNITAS der RMI mit AIIC DIOCESE

Since 2014 we are unifying All International Independant Christians hosted by RMI.

Unten sind weitere ROSENKRANZ – Bewegungen aufgeführt:

Benath You find more ROSARY Movements:

 

Stefan Jäggi:

Rosenkranzbruderschaften: Vom Spätmittelalter zur Konfessionalisierung

Abgedruckt in: Rosenkranzbruderschaften. Vom Spätmittelalter bis zur Konfessionalisierung,

in: Der Rosenkranz. Andacht, Geschichte, Kunst, hg. von Urs-Beat

Frei und Fredy Bühler, Bern 2003, S. 91-105

Der nachfolgende Beitrag besteht aus zwei klar unterschiedenen Teilen: Zuerst werden die

spätmittelalterlichen Rosenkranzbruderschaften im grösseren Zusammenhang des spätmittelalterlichen

Bruderschaftswesens und in ihren frühen Ausgestaltungen als neue Devotionsform

beschrieben. Im zweiten Teil, der sich mit den Rosenkranzbruderschaften im Zeitalter der

Konfessionalisierung beschäftigt, beschränkt sich der geographische Untersuchungsraum auf

das Gebiet der Zentralschweiz, d. h. auf die katholischen Orte Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden,

Luzern und Zug: Einführung, Verbreitung, Form und Funktion der Bruderschaft sollen

hier anhand einer geschlossen katholischen Region der alten Eidgenossenschaft dargestellt

werden.

Bruderschaft

Bruderschaften sind in erster Linie “Gebetsgemeinschaften des wechselseitigen Gebetsbeistandes

und des gemeinschaftlichen Gebetsgedächtnisses”1. Häufig steht im Zentrum der Aktivitäten

die Organisation des Totengedächtnisses für die Mitglieder; auch die spätmittelalterliche

Bussbewegung hat sich im Bruderschaftswesen markant niedergeschlagen. Zu den rein

religiösen konnten gesellschaftliche, kulturelle und sozial-caritative Aktivitäten treten. Bruderschaften

wurden sowohl von Klerikern als auch von Laien gebildet.

Das spätmittelalterliche Bruderschaftswesen

Das spätmittelalterliche Bruderschaftswesen2 zeichnet sich durch seine vielfältige Gliederung

aus. Da es ein weitgehend städtisches Phänomen war – in den ländlichen Gebieten sind kaum

Bruderschaften festzustellen – spielte die Verankerung der Bruderschaften in der städtischen

Wirtschaft eine bedeutende Rolle: Viele waren mit Zünften und Handwerken verbunden. Zudem

gab es Standesbruderschaften (z. B. des Klerus), sozial-caritativ ausgerichtete Bruder-

1 LThK II, Sp. 718-721. Siehe auch Schneider, Wandel und Beharrung, 66.

2

schaften (z. B. Heilig-Geist-Bruderschaften an den Spitälern) sowie viele Andachtsbruderschaften,

die häufig auf Heilige (Maria, Anna, Sebastian usw.) oder Glaubensinhalte (Corpus-

Christi-Bruderschaften, Bussbruderschaften) ausgerichtet waren. Angesichts der vielen Neugründungen

kann man bezüglich des 15. Jahrhunderts von einer Blütezeit des Bruderschaftswesens

sprechen. Es war in der Bevölkerung gut verankert, da es deren religiöse Bedürfnisse

in den geläufigen Frömmigkeitsformen (Gottesdienste, Prozessionen, Gebet, Totengedächtnis,

Wallfahrten usw.) zum Ausdruck brachte. Manche Bruderschaft entwickelte sich zu einem

bedeutenden Wirtschaftsfaktor oder zum Fixpunkt geselliger Zusammenkunft. Obwohl viele

Bruderschaften mit einem Kloster, insbesondere der Mendikantenorden, oder anderen kirchlichen

Institutionen verbunden waren, war doch die Mehrheit laikal organisiert und geleitet.3

Die Reformation versetzte dem Bruderschaftswesen in den deutschsprachigen Gebieten Europas

einen schweren Schlag. In den reformierten Territorien verschwanden die Bruderschaften

in ihrer spätmittelalterlichen Form völlig, während in den katholischen Gegenden zumindest

kaum Neugründungen festzustellen sind.4 Anders sieht dies in den romanischsprachigen Ländern

aus, wo sich vor allem in Spanien und Südfrankreich die Bussbruderschaften weiter ausbreiteten.

5

Rosenkranzbruderschaften vor der Reformation

Die vorreformatorische Verbreitung der Rosenkranzbruderschaften geht im wesentlichen auf

den aus der Bretagne stammenden Dominikaner Alanus de Rupe6 (Alain de La Roche, ca.

1428-1475) zurück. Sich auf angebliche Visionen um Maria und den Ordensgründer Dominikus

berufend, propagierte Alanus in seinen Predigten und seiner Lehrtätigkeit in Nordfrankreich,

Flandern und Norddeutschland das Rosenkranzgebet und die Organisation einer Rosenkranzbruderschaft.

Dabei hat Alanus die Rosenkranzbruderschaft nicht eigentlich “erfunden”,

sondern konnte sich an den bereits bestehenden, allerdings im Verlauf des 15. Jahrhunderts an

Wirkung verlierenden marianischen Bruderschaften der Dominikaner orientieren7. Die erste

2 Ausser auf die einschlägigen Artikel in den Nachschlagewerken (LThK, TRE, LexMA) verweise ich auf

Meersseman, Ordo fraternitatis; Le mouvement confratrernel au moyen âge; Schneider, Wandel und Beharrung.

3 Schneider, Wandel und Beharrung, 65-67.

4 Schneider, Wandel und Beharrung, 67.

5 Die Zeit der Konfessionen, 1019f. Vgl. auch John P. Donnelly and Michael W. Maher (eds.), Confraternities

and Catholic Reform in Italy, France and Spain, Kirksville, 1999 (Sixteenth Century Essays and

Studies, 44). Für Italien s. Christopher F. Black, Italian Confraternities in the Sixteenth Century, Cambridge

1989; Roberto Rusconi, Confraternite, compagnie e devozioni, in: La chiesa e il potere politico dal

Medioevo all’età contemporanea, Torino 1986 (= Storia d’Italia, Annali 9), 467-506.

6 Zu Person und Werk Verfasserlexikon I, Spp. 102-106; Meersseman, Ordo fraternitatis, 1148-1156.

7 Meersseman, Ordo fraternitatis, 922ff. Als ihr Gründer galt Petrus Martyr († 1252, vgl. LThK VIII, Sp.

129); die Mitglieder verpflichteten sich zum täglichen Gebet von Pater noster und Ave Maria.

3

Gründung einer Rosenkranzbruderschaft scheint dabei zwischen 1464 und 1470 in Douai erfolgt

zu sein, indem Alanus offenbar das tägliche Rosenkranzgebet bei einer bereits bestehenden

Marienbruderschaft eingeführt hat.8 Dabei dachte der Dominikaner nicht an eine lokal

begrenzte Bruderschaft, sondern propagierte eine universale, dem Rosenkranzgebet gewidmete

Bruderschaft, deren Mitglieder der geistlichen Verdienste des Dominikanerordens teilhaftig

werden sollten, sofern sie die Auflage des regelmässigen Rosenkranzgebetes erfüllten.

Weitere Leistungen, insbesondere finanzieller Art, waren nicht vorgesehen. Auch in Rostock,

wo Alanus 1473 promovierte, soll kurze Zeit später die Rosenkranzbruderschaft eingeführt

worden sein.

Grössere Ausstrahlung entwickelte jedoch die von Jakob Sprenger9, einem Schüler Alanus’ de

Rupe, 1475 in Köln eingeführte Bruderschaft. Die Überlieferung führt die Einführung darauf

zurück, dass damit für die Aufhebung der Belagerung von Neuss (am 27. Juni 1475) durch

Herzog Karl den Kühnen von Burgund gedankt werden sollte; die formelle Errichtung der

Bruderschaft erfolgte am 8. September 1475 und wurde am 10. März 1476 durch den päpstlichen

Legaten bestätigt.10 Das Mitgliederverzeichnis ist nicht im Original erhalten, doch sollen

sich als erste Kaiser Friedrich III. mit seiner Familie und andere hochrangige Adlige und Kirchenfürsten

eingetragen haben11. Dies dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Bruderschaft

bereits vier Monate nach der Einführung über 5000 und nach wenigen Jahren über

100’000 Mitglieder gezählt habe. Die Bruderschaftsstatuten wurden im Sommer 1476 erstmals

in Basel gedruckt.12 Sie weisen die folgenden Bestimmungen auf:

• Regelung der Einschreibung in die Bruderschaft (in Köln oder Augsburg);

• jedes Mitglied verpflichtet sich, in der Woche drei Rosenkränze zu je 50 Ave Maria und

fünf Vaterunser zu beten;

• Unterlassung des Gebets bedeutet keine Sünde;

• Zweck der Bruderschaft ist die Teilhabe an den Gebeten der Mitglieder;

8 Meersseman, Ordo fraternitatis, 1158; Catherine Vincent, Les confréries médiévales dans le royaume de

France. XIIIe-XVe siècle, Paris 1994, 118. Obwohl hier weitere Bruderschaftsgründnungen in Nordfrankreich

genannt werden, wird betont, dass diese Art Bruderschaft mit “kontemplativer” Ausrichtung in

Frankreich wenig Anklang gefunden habe. Vgl. dagegen Pierre Lançon, Les confréries du rosaire en Rouergue

aux XVIe et XVIIe siècle, in: Annales du Midi 96 (1984), 121-133, der für die Diözese Rodez Bruderschaftsgründungen

zu Beginn des 16. Jahrhunderts und eine Welle von Gründungen in der 1. Hälfte

des 17. Jahrhunderts nachweist.

9 Zur Biographie und zum Werk Sprengers Verfasserlexikon IX, Spp. 149-157.

10 Saffrey, La fondation, 146-151; Hatto Küffner, Zur Kölner Rosenkranzbruderschaft, in: 500 Jahre Rosenkranz

1475 Köln 1975, Köln 1975, 109-117. Verfasserlexikon VI, Sp. 50. S. auch Meersseman, Ordo

fraternitatis, 1163.

11 Nach Johann Andreas Coppenstein, De fraternitate ssmi. rosarii b. virginis Mariae ortu, progressu, statu

atque praecellentia, Köln 1613.

12 Quellen zur Geschichte, 508-517. Saffrey, La fondation, 153f.

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• mit der Verrichtung des Rosenkranzgebets sind Ablässe verbunden;

• wenn ein Mitglied für eine arme Seele im Fegefeuer betet, wird diese der Gebete aller Bruderschaftsmitglieder

teilhaftig;

• der Kölner Dominikanerkonvent feiert viermal im Jahr Vigil und Seelamt für die Verstorbenen

der Bruderschaft;

• Bestätigung der Bruderschaft durch den päpstlichen Legaten für Deutschland.

Im Gegensatz zu den organisierten Bruderschaften, mit denen soziale Auslese, Gruppenzwang

und öffentliche Repräsentation assoziiert waren, verstand Jakob Sprenger die Rosenkranzbruderschaft

als Reformbruderschaft: Hier konnten sich alle Interessierten einschreiben lassen,

also auch Mittellose und Frauen13, welche zum bisherigen Bruderschaftswesen in den Städten

keinen Zugang gefunden hatten. Die Bruderschaft trat als soziale Gruppe nicht öffentlich in

Erscheinung, da die einzige Gemeinsamkeit der Mitglieder im selben, individuell verrichteten

Gebet bestand.14 Zur Anziehungskraft der Bruderschaft dürfte die Aussicht auf die damit verbundenen,

ausschliesslich durch das Gebet (und nicht durch finanzielle Leistungen15) erwerbbaren

Ablässe beigetragen haben: Seit 1484 wurde den Mitgliedern der Bruderschaft einmal

im Leben und in der Todesstunde ein vollkommener Ablass bewilligt. Dazu kamen verschiedene

kleinere Ablässe bei besonderen Gelegenheiten.16 Andere Ablässe, die z. T. schon von

Alanus de Rupe behauptet wurden (so der Ablass von 60’000 Jahren für das Beten des Rosenkranzes),

müssen als unecht gelten, dürften aber trotzdem ihre Wirkung bei der Rekrutierung

von Mitgliedern ausgeübt haben.17 Die Bewegung hat zunächst im Rheingebiet und in Flandern

gewirkt; aber auch in Norddeutschland, Schlesien, am Oberrhein18, in Bayern, Schwaben

und Franken entstanden Rosenkranzbruderschaften. So wurde bereits 1476 als Filiale von

Köln die Bruderschaft in Augsburg eingeführt19; es folgten Bamberg vor 1479, Bayreuth

13 Zu diesem Aspekt Christopher F. Black, Italian Confraternities in the Sixteenth Century, Cambridge

1989, 103f.

14 Gerchow, Bruderschaften im spätmittelalterlichen Freiburg i. Br., 26f. Der Autor verweist auf andere

Reformbruderschaften mit ähnlicher Ausrichtung, wie die Ursulabruderschaften.

15 Dies wird denn auch in der Einleitung zu den Statuten der Kölner Bruderschaft entsprechend herausgestrichen.

Quellen zur Geschichte, 508f.

16 Vgl. Quellen zur Geschichte, 524-529.

17 Nikolaus Paulus, Geschichte des Ablasses am Ausgang des Mittelalters, Darmstadt 22000, 251-253. Vgl.

auch die Ablässe in den Statuten der Bruderschaft von Colmar; Schmitt, La confrérie du Rosaire, 108f.

18 Gerchow, Bruderschaften im spätmittelalterlichen Freiburg i. Br.; Médard Barth, Die Rosenkranzbruderschaften

des Elsass, geschichtlich gewürdigt, in: Archives de l’Eglise de l’Alsace 32 (1968/68), 53-108.

19 Saffrey, La fondation, 153.

5

1490, Nürnberg vor 1505.20 Italien, vor allem der Norden, kann ebenfalls als Verbreitungsgebiet

der Rosenkranzbruderschaft gelten.21

Von grosser Bedeutung für die Verbreitung der Bruderschaftsidee in Verbindung mit dem

Rosenkranzgebet wurde der Buchdruck: Theologische Abhandlungen von Dominikanern (z.

B. das “Quodlibet de veritate fraternitatis Rosarii seu Psalterii BMV” des Michael Francisci,

das um 1476 erstmals in Basel gedruckt wurde22) und anderen Theologen sowie Gebetbücher

und Lieder dienten der Propagierung der Idee.23 Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern

gleichermassen für Italien, wo z. B. der 1480 in Venedig gedruckte “Statuto della confraternita

del Rosario” eine weitere Verbreitung erfuhr.24 Die Ikonographie des Rosenkranzes25

wurde in Deutschland26 und Italien27 in zahlreichen mit Holzschnitten illustrierten Publikationen

weiter entwickelt, um schliesslich in vielfältigen Formen (Tafelbilder, Altäre, Skulpturen)

ihren Ausdruck zu finden.28

Im Gebiet der heutigen Schweiz kann man zwei Verbreitungsgebiete der spätmittelalterlichen

Rosenkranzbruderschaft feststellen. Das eine war Basel, wo offenbar sowohl das Dominikanerkloster

wie das Steinenkloster der Dominikanerinnen Rosenkranzbruderschaften einführten.

29 Zu einem zweiten Schwerpunkt wurde das Dominikanerkloster Bern, das sich der

1484 in Colmar eingeführten Rosenkranzbruderschaft anschloss. Hier wurden nicht nur in der

Stadt selbst, sondern auch auf dem Land Mitglieder aufgenommen, so im Berner Oberland,

das ein wichtiges Terminiergebiet der Berner Dominikaner war, sowie im Mittelland und im

Seeland.30 Kunstgeschichtlichen Ausdruck fand die Rosenkranzverehrung in den erhalten ge-

20 Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte I.2, 1077.

21 Zur Rosenkranzbruderschaft von Florenz s. Stefano Orlandi, Libro del Rosario della Gloriosa Vergine

Maria, Rom 1965.

22 Heinrich Ch. Scheeben, Michael Francisci ab Insulis OP. Quodlibet de veritate Fraternitatis Rosarii, in:

Archiv der Deutschen Dominikaner 4 (1951), 97-162; Saffrey, La fondation, 151f.

23 Verfasserlexikon VI, Sp. 50.

24 Meersseman, Ordo fraternitatis, 1144-1169.

25 Zur Ikonographie des Rosenkranzes s. den Art. “Rosenkranz” im Lexikon der christlichen Ikonographie

III, Freiburg i. Br. 1971, Spp. 568-572.

26 Saffrey, La fondation, 153-164.

27 Roberto Rusconi, Pratica cultuale ed istruzione religiosa nelle confraternite italiane del tardo medio evo:

“Libri da compagnia” et libri di pietà, in: Le mouvement confraternel au moyen âge, 141-146; Meersseman,

Ordo fraternitatis, 1170-1214.

28 Als bekanntes Beispiel sei das Bild Dürers für die Rosenkranzbruderschaft von Venedig, gemalt 1506,

genannt. Henri Dominique Saffrey, Albrecht Dürer, Jean Cuno, O.P., et la confrérie du Rosaire à Venise,

in: PHILOPHRONÈMA, Festschrift für Martin Sicherl, hg. Dieter Harlfinger, Paderborn 1990, 263-291.

29 Helvetia Sacra IV/5, 204, 211, 258, 589.

30 Helvetia Sacra IV/5, 296f.; Schmitt, La confrérie du Rosaire; Ders., Apostolat mendiant et société. Une

confrérie dominicaine à la veille de la réforme, in: Annales ESC 26 (1971), 83-104.

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bliebenen Malereien von 1495 am Lettner der Berner Predigerkirche, wo zwei aus weissen

Blumen geflochtene und mit jeweils fünf roten Rosen besteckte Kränze dargestellt sind.31

Mit der Reformation verschwanden diese ersten Ansätze von Rosenkranzbruderschaften in

der Eidgenossenschaft. Ihre Träger, die städtischen Dominikanerkonvente, wurden aufgehoben,

die religiösen Bruderschaften beseitigt und das Tragen von Gebetsschnüren in der

Öffentlichkeit unter Strafe gestellt. 1528 verbot der Berner Rat auch die Rosenkranzbruderschaften

im oberen Simmental.32

Rosenkranzbruderschaften im Zeitalter der Konfessionalisierung33

Die Beschlüsse des Konzils von Trient richteten das katholische Bruderschaftswesen neu aus.

So galten Bruderschaften jetzt als kirchliche Institutionen und unterstanden der Kontrolle des

Ortsbischofs. Das Bruderschaftswesen griff nun auch auf das Land über; in den Vordergrund

traten eindeutig die frömmigkeitsgebundenen Bruderschaften (Skapulier-, Rosenkranz- und

Sakramentsbruderschaften). Nach Möglichkeit sollte die breite Masse des Volkes damit erfasst

werden, mit uneingeschränkter Zulassung der Frauen34. Andererseits ist eine verstärkte

Klerikalisierung und Bindung an die Pfarrei35 festzustellen, indem der Ortspfarrer als Präses

oder Rektor der Bruderschaft eine beherrschende Funktion übernehmen konnte36. Organisatorische

Aspekte traten stärker hervor als bei den spätmittelalterlichen Bruderschaften (gemeinsame

Gottesdienste, Prozessionen, Totengedächtnis). Insofern konnten die Bruderschaften

nun als Instrumente der Konfessionalisierung eingesetzt werden.37 Für ihre Gesamtheit wurde

– zumindest für die deutschsprachigen Gebiete Europas – in der Forschung neuerdings be-

31 Georges Descoeudres/Kathrin Utz Tremp, Bern, Französische Kirche. Ehemaliges Predigerkloster, Bern

1993, 135, 138f; Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. 5, S. 127, 132-135.

32 Gabriel Meier, Der Rosenkranz in der Reformationszeit, in: ZSKG 7 (1913), S. 296-303. Hier finden sich

zahlreiche Hinweise auf das Tragen der “Paternoster” in der Öffentlichkeit und das Einschreiten der reformierten

Obrigkeiten dagegen. Während und nach der Reformation konnte die Paternosterschnur bzw.

der Rosenkranz durch demonstratives Zurschaustellen zum Abzeichen werden, das den Träger als altgläubig

auswies. So kam es 1542 beim Durchzug nidwaldnischer Truppen nach Frankreich im bernischen

Aarberg zu einem heftigen Streit um das demonstrative Tragen von Paternostern, der über ein Jahr lang

die Tagsatzung beschäftigte; Karl von Deschwanden, Der Paternoster-Handel, in: Beiträge zur Geschichte

Nidwaldens 6 (1889), S. 41-47.

33 Auf das von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling entwickelte Paradigma der Konfessionalisierung

kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Einen Überblick über den Forschungsstand gibt Stefan

Ehrenpreis/Ute Lotz-Heumann, Reformation und konfessionelles Zeitalter, Darmstadt 2002 (Kontroversen

um die Geschichte).

34 Schneider, Wandel und Beharrung, 72.

35 Zu diesem Aspekt in Italien Christopher F. Black, Confraternities and the Parish in the context of Italian

Catholic Reform, in: Donnelly/Maher, Confraternities and Catholic Reform (wie Anm. 29), 1-26.

36 Schneider, Wandel und Beharrung, 73.

37 Vgl. auch Danilo Zardin, Il rilancio delle confraternite nell’Europa cattolica cinque-seicentesca, in: I tempi

del concilio. Religione, cultura e società nell’Europa tridentina, ed. Cesare Mozzarelli/Danilo Zardin,

Rom 1997, 107-144.

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stritten, dass sie bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts diese Rolle gespielt hätten.38 Gerade für

die Rosenkranzbruderschaften jedoch scheint mir diese Annahme zuzutreffen. Nach dem Sieg

über die Türken bei Lepanto 1571, der von Papst Pius V. dem Rosenkranzgebet der Gläubigen

zugeschrieben wurde, erlebte der Rosenkranz einen Aufschwung, der seinen Ausdruck

nicht zuletzt in der Wiedereinführung der Rosenkranzbruderschaft fand.39 Wie im Spätmittelalter

war die Einführung von Rosenkranzbruderschaften eine Domäne der Dominikaner, die

jeweils in Rom die nach Form und Inhalt normierten Errichtungsbullen ausstellten. Zahlreiche

Publikationen unterstützten die Bemühungen zur Verbreitung des Rosenkranzgebetes und der

Bruderschaft.40

Rosenkranzbruderschaften in Luzern und der Zentralschweiz41

In der Zentralschweiz sind keine spätmittelalterlichen Rosenkranzbruderschaften entstanden.

Sicher ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass es in diesem Raum keine städtischen

Dominikanerniederlassungen gab, die als Vermittler dieses neuen Bruderschaftskonzepts hätten

dienen können. Dies heisst jedoch nicht, dass der Rosenkranz in dieser Region unbekannt

geblieben wäre: So sind an einer spätgotischen Pietà auf einem Seitenaltar in Kirchbühl bei

Sempach (frühes 16. Jh.) und auf einer Wandmalerei der Madonna in der Kapelle von Geuensee

(um 1576) frühe Rosenkranzdarstellungen zu finden.42 Dass die Verwendung von Paternosterschnüren

aus kostbaren Materialien auch in Luzern gebräuchlich waren, belegen Inventare

aus dem frühen 16. Jahrhundert.43

38 Schneider, Wandel und Beharrung, 68f.

39 Die Zeit der Konfessionen, 1021; Robert Bireley, The refashioning of catholicism, 1450-1700. A reassessment

of the counter reformation, Basingstoke 1999, 110.

40 Z. B. die Schriften von Johann Andreas Coppenstein OP: De fraternitatis ssmi. rosarii b. virginis Mariae

ortu, progressu, statu atque praecellentia, Köln 1613; Clavis praedicandi rosarium et institutum fraternitatis

ejusdem, Köln 1613; Kurtzer Bericht von der uhralten unnd gnadenreichen Bruderschafft deß H. Rosenkrantzes

Jesu und Mariae, Augsburg 1620; B. Alanus de Rupe redivivus de psalterio seu Rosario Christi

ac Mariae eiusdemque Fraternitate Rosaria, Köln 1624. Konrad von Sittard, De origine et utilitate confraternitatis

ss. rosarii, Köln 1603.

41 Als Grundlage wurde Henggeler, Die kirchlichen Bruderschaften, verwendet. Die statistischen Angaben

bei Henggeler wurden jedoch zumindest für den Kanton Luzern überarbeitet und in zahlreichen Punkten

verbessert und ergänzt.

42 Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Bd. IV, Basel 1956, S. 385 (Kirchbühl); Bd. VI, Basel 1963, S.

506 (Geuensee).

43 “Item j groß rot korallin patter noster, item j swartz ligend pater noster mit j silbrin angnus dei, item j

katzentonia pater noster mit j hertz versilbret, item j barillin pater noster, item j swartz egget pater noster,

item j geln augsteini pater noster, item j pater noster mit xxx groß karallen, item j clein karalin pater noster”

(1502); “item iiij patter noster, sind zwey catzydonier, eins augsteini und eins carallis, hand die drü

silbrin zeichen” (1504); “item j rot karalli patter noster, item j kristalli patter noster” (1505); “item drûw

fladerin patter noster mit zweyen angnus dey und mit einem bisam öpfell von catzadonien, aber ein fladerin

batter noster an silber, item ein wyß agsteini pater noster mit einem catzadonien crütz, item vier krallin

patter noster groß und clein mit pollen und bisam öpfell, item ein groß catzadonien pater noster mit einem

frantzösischen stein, item ein baryllin patter noster mit einem grossen angnus dey, item ein ligend patter

noster baryllin mit einem catzadonier bisam öpfell, item iij cleini patter noster, item ein langs pater noster

8

Die Popularisierung des Rosenkranzgebets in der Zentralschweiz nach dem Konzil von Trient

ist u. a. mit dem Wirken von Kardinal Carlo Borromeo verbunden: Durch päpstliches Breve

vom März 1583 war er bevollmächtigt worden, in der Schweiz die Rosenkranzbruderschaft

einzuführen.44 Bereits 1570 wollte Borromeo auf eine Schweizer Reise vom Papst gesegnete

Rosenkränze mitnehmen.45

Entgegen bisheriger Auffassung wurde die erste Rosenkranzbruderschaft der Zentralschweiz

nicht in Luzern eingeführt. Die Annahme, die Rosenkranzbruderschaft in Luzern sei bereits

1578 auf Initiative des Jesuitenprovinzials Hoffäus gegründet worden, beruht einzig auf einer

Notiz im “Liber Historiae Collegii Societatis Iesu Lucernae”.46 Diese Chronik wurde jedoch

erst 1618 begonnen, also 30 Jahre nach dem Ereignis. Dem Autor muss eine Verwechslung

mit der Grossen Marianischen Kongregation unterlaufen sein, die tatsächlich im März 1578

gegründet wurde47, oder er meinte die damals bereits bestehende Liebfrauenbruderschaft, die

dann 1623 in eine Rosenkranzbruderschaft umbenannt wurde48.

Die erste sicher nachweisbare Rosenkranzbruderschaft in der Zentralschweiz wurde auf Initiative

eines Konstanzer Dominikaners 1588 im Dominikanerinnenkloster Steinen SZ eingeführt.

49 Noch vor der Jahrhundertwende folgten die Errichtungen in den Pfarreien Meierskappel

LU (1591), Luthern LU (1592), Altdorf UR (1593), Entlebuch LU (1595), in der Schlosskapelle

Baldegg LU (1599) und in Einsiedeln SZ (1600). Eine richtige Welle von Errichtungen

ist in den Jahren 1620-1650 festzustellen.50 Danach ging die Gründungshäufigkeit zurück;

die letzte Errichtung im Ancien Régime erfolgte 1789 im schwyzerischen Rothenturm. Insgesamt

kann für einen Zeitraum von 200 Jahren die Errichtung von 128 Rosenkranzbruderschaften

nachgewiesen werden.51 Damit übertrifft ihre Verbreitung diejenige anderer vermit

cleinen krallen mit zwey schwartzen agstein” (Nachlass von Schultheiss Hans Sonnenberg 1510);

“item j schwartz augsteini pater noster mit einem vergulten agnus dei” (1519). StA Luzern COD 3865/1,

fol. 277, 293v, 297, 313-313v, 319v.

44 Karl Fry, Giovanni Antonio Volpe, Nunzius in der Schweiz, II, Stans 1946, 397.

45 Heinrich Reinhard/Franz Steffens, Studien zur Geschichte der katholischen Schweiz im Zeitalter Carlo

Borromeo’s, Stans 1911, S. 311f.

46 “21. martii [1578] pridie B. Virginis Annunciatae, rogante senatu, P. Provincialis geminam concionem

habuit in colle Museck supra oppidum, more antiquo gentis latinam ad clerum, germanicam ad populum.

In iis concionibus inter cetera de sodalitate rosarii disputavit cum tanto frustu, ut brevi in eam relata sint

3400 capita.” StA Luzern COD KK 25/1, p. 35f.

47 Ibid., p. 36f.; Wilhelm Schnyder, Geschichte der Grossen Lateinischen Kongregation in Luzern, Luzern

1935, v.a. 44.

48 Renward Cysat, der die Verhältnisse in Luzern ja bestens kannte, nennt in einer ausführlichen Bruderschaftsliste

von 1590 keine Rosenkranzbruderschaft, hingegen die “Grosse Liebfrauenbruderschaft”. StA

Luzern, COD 5145/1, fol. 54v.

49 Die Errichtungsbulle ist im StA Schwyz erhalten (PA37).

50 Diese Phase entspricht in etwa der Dauer des Dreissigjährigen Krieges. Ob im Hinblick auf die Intentionen

der Dominikaner oder der lokalen “Gründer” hier ein direkter Zusammenhang besteht, wäre noch genauer

und vor allem in einem weiteren geographischen Rahmen zu untersuchen.

51 Siehe die Liste und die Grafik im Anhang.

9

gleichbarer Bruderschaften bei weitem; so kann bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der

Zentralschweiz die Gründung von gegen 50 Skapulierbruderschaften festgestellt werden.52 Im

Kanton Luzern entstanden in den 63 Pfarreien sowie an Kapellen und Klöstern 68 Rosenkranzbruderschaften.

Mit Ausnahme von Flühli (Pfarrei erst 1782 entstanden) und Schwarzenbach

(keine Bruderschaft nachgewiesen) sowie Grossdietwil und Kleinwangen (Einführung

erst im 19. Jh.) verfügten alle Luzerner Pfarreien im Ancien regime über eine Rosenkranzbruderschaft.

Offenbar ging die Initiative für die Errichtungen mehrheitlich vom Pfarrklerus53 aus, vereinzelt

auch von Laien54. Die Errichtungsbullen wurden vom Dominikanergeneral in Rom ausgestellt;

sie weisen durchwegs ein einheitliches Formular und eine einheitliche Ikonographie

auf. Allen Bullen gemeinsam ist – in Form eines zentral am oberen Rand über dem Text gemalten

Medaillons – die Darstellung der Übergabe des Rosenkranzes durch die thronende

Muttergottes an Dominikus, der von Katharina von Siena begleitet wird.55 Dazu konnte eine

Ausschmückung mit Heiligendarstellungen und Wappen sowie Ornamenten treten. Als Beispiel

für eine solche aufwendig gestaltete Bulle sei diejenige für die Bruderschaft an der Kapelle

Baldegg beschrieben: In weiteren Medaillons sind links die heiligen Peter und Paul und

das Wappen Segesser dargestellt, rechts der heilige Jost und das Wappen Sonnenberg; die

Medaillons werden durch eine dreiseitig angebrachte Bordüre mit floralen Ornamenten eingerahmt.

56 Auf ähnliche Weise verziert sind die Bullen der Bruderschaften von Steinen (1588)

und Altdorf (1593).57 Spätere Exemplare tragen nur noch das in einheitlicher Manier gestaltete

zentrale Medaillon, so etwa die Bullen für die Bruderschaften an den Klöstern Rathausen

und St. Urban sowie in Werthenstein und Geiss.58

52 Zu den Skapulierbruderschaften, einer Domäne der Karmeliter, Henggeler, Die kirchlichen Bruderschaften,

52-59.

53 Die Errichtungsbullen bestimmten in der Regel den Ortspfarrer zum Rektor der Bruderschaft; er war für

die Aufnahme der Mitglieder und das Führen des Mitgliederverzeichnisses verantwortlich, segnete die

Rosenkränze und erklärte die Rosenkranzgeheimnisse: “Cuius societatis et cappellae cappellanum deputamus

modernum et pro tempore existentem dictae ecclesiae rectorem, qui nomina et cognomina omnium

christifidelium in eandem societatem ingredi et devote recipi petentium in libro ad id specialiter deputato

possit scribere, recipere et admittere, psalteria seu coronas benedicere, sacri rosarii mysteria (ut decet)

reverenter exponere ac omnia et singula facere, quae fratres nostri in ecclesiis nostris ad hoc deputati

facere possunt et rite consueverunt.” Errichtungsbulle von 1588 für die Rosenkranzbruderschaft im Kloster

Steinen SZ. StA Schwyz, PA 37.

54 So wurde die Bruderschaft an der Schlosskapelle Baldegg auf Initiative des Gardekommandanten der

päpstlichen Schweizergarde, Stephan Alexander von Segesser, eingeführt.

55 Dabei handelt es sich um die geläufigste Dominikus-Darstellung im Zusammenhang mit dem Rosenkranz.

Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 6, S. 78.

56 StA Luzern URK 472/8432 (s. Anhang); Abschrift und Übersetzung in StA Luzern AKT 19C/669.

57 StA Schwyz, PA 37; Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Bd. I.1, Bern 2001, S. 133f.).

58 StA Luzern URK 557/11208 (1624), URK 680/13752 (1624), URK 454/8136 (1624), URK 469/8381a

(1628).

10

Ein übergreifender Organisationsrahmen ist für die luzernischen und zentralschweizerischen

Rosenkranzbruderschaften (mit Ausnahme des Kantons Nidwalden59) nicht festzustellen; dies

im Gegensatz etwa zum Kanton Freiburg, wo alle 66 um 1640 bestehenden Bruderschaften

von jener am Dominikanerinnenkloster Estavayer (eingeführt 1632) abhingen.60

Zweck der Bruderschaft war das regelmässige Verrichten des Rosenkranzgebets, und zwar als

individuelles Beten. Jedermann, ohne Ansehen des Standes, sollte der Bruderschaft beitreten

können. Propagiert wurde also eine “Volksbruderschaft”. Entsprechend einfach sind die Statuten

gehalten (deren Abhängigkeit von den spätmittelalterlichen Statuten unverkennbar ist).

Als Beispiel sollen die Statuten der Bruderschaft in Geiss von 1613 vorgestellt werden61:

Stiftung Stiftung von 20 Gl. Kapital durch den Pfarrer, damit zweimal jährlich mit

drei Priestern eine Messe für die Mitglieder gefeiert werden kann.

Ablass Vollkommener Ablass für alle Mitglieder, die nach Beicht und mit den

Sterbesakramenten versehen sterben.

Weitere Ablässe für die Verrichtung des Rosenkranzgebetes und andere

Werke.

Zweck Die Mitglieder verpflichten sich, wöchentlich drei Rosenkränze zu beten,

nämlich 150 Ave Maria, 5 Vaterunser und drei Glaubensbekenntnisse.

Versäumtes Gebet kann nachgeholt oder durch Stellvertreter verrichtet werden.

Unterlassung des Gebets ist keine Sünde, hat aber den Verlust der Teilhabe

an den Ablässen und guten Werken der Bruderschaft zur Folge.

Mitgliedschaft Alle katholischen Christen können Mitglieder der Bruderschaft werden. Es

ist kein finanzieller Beitrag notwendig.

Auch Verstorbene können aufgenommen werden, sofern sich ein Bruderschaftsmitglied

verpflichtet, an ihrer Stelle das Gebet zu verrichten.

Die Mitglieder sollen Gläubige, die noch nicht der Bruderschaft angehören,

zum Beitritt bewegen.

Spätere Statuten erweiterten insbesondere das Ablasswesen und nahmen das Totengedenken

für verstorbene Mitglieder auf, so z. B. jene der 1629 eingeführten Bruderschaft in Escholzmatt:

“9. Es solle die jarzeit der bruoderschafft gehalten werden ohngefahr vor oder nach unser

lieben frawen himelfart nach gefallen eines pfaarherren, mit so vil priestern, als man

haben mag, und sollen alle und jede brüeder und schwester, so vil müglich ist, disem

gottsdienst flissig mit andacht bywohnen by gewohnlicher buos eines pfund wachs und

zum opfer gehen. Es solle auch an dem abendt darvor und an dem tag ein seel vesper

gesungen werden, und sollen uff dem grab 4 kertzen brünnen.

59 Nach Henggeler, Die kirchlichen Bruderschaften, 229, wurde die Stanser Rosenkranzbruderschaft 1620

für das ganze Land Nidwalden eingeführt.

60 Helvetia Sacra IV/5, 665.

61 StA Luzern FA 29/70 (s. Anhang). Es ist unschwer zu erkennen, dass sich die wichtigsten Bestimmungen

nach den Statuten der Kölner Bruderschaft von 1476 richten.

11

10. So fürderhin einer uss der bruoderschafft gestorben und man ihn zur erden bstattet, soll

man ihm mit creütz und 4 engelstangen62 und brünenden kertzen entgegen gehn und in

die kirchen bstatten, und nach vollendtem gottsdienst auch also zuo dem grab, und soll

uff nechstes fest oder sontag desselbigen nammen verkünd werden, das ein ieder bruoder

und schwester für ihne bette ein rosenkrantz.” 63

Zur Hebung des Ansehens der Bruderschaft und um ihr ehrwürdiges Alter besonders zu betonen,

wurde ihre Gründung (wie die Erfindung des Rosenkranzes) in manchen Statuten auf den

heiligen Dominikus selbst zurückgeführt.64

Parallel zur Einführung der Rosenkranzbruderschaft in den Pfarreien erfolgte vielerorts die

Errichtung von Rosenkranzaltären in den Pfarrkirchen. Meist wurden die Altäre von den Bruderschaftsmitgliedern

selbst gestiftet und wurden zum Fokus der gemeinschaftlichen Devotionsformen

wie Gottesdienste und Andachten. Manchmal begnügte man sich mit der Stiftung

von Gemälden oder liess eine Rosenkranzmadonna als Prozessionsfigur herstellen. Auch

Skulpturen und Wandmalereien haben sich erhalten. Die Altäre folgen durchwegs einer einheitlichen

Ikonographie, die bereits in den Errichtungsbullen der Bruderschaft festgelegt wurde:

Zentraler Teil des Altars war die Darstellung der Muttergottes mit den Dominikanerheiligen

Dominikus (der den Rosenkranz überreicht erhält) und Katharina von Siena. Darum wurde

ein Kranz von 15 Medaillons mit der Darstellung der Rosenkranzgeheimnisse angeordnet.

65

Im Bereich der Zentralschweiz mit Einschluss des katholischen (heute aargauischen) Freiamts

können an folgenden Orten Rosenkranzaltäre und andere mit Rosenkranzbruderschaften in

Verbindung stehende Kunstwerke, die vor dem 18. Jahrhundert datieren, festgestellt werden:66

Merenschwand AG 1587/89 Rosenkranzaltar67

62 Diese Engelstangen wurden auch sonst an Prozessionen mitgetragen. Georges Herzog, Die Kerzenstangen

der Bruderschaften und Zünfte im Kanton Luzern, in: Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Luzern 2

(1984), S. 2-75. Hier (S. 17) wird auf die Rechnungen der Rosenkranzbruderschaft von Römerswil hingewiesen,

wo regelmässig Ausgaben für “Tortschen” und Kerzen erscheinen. Eine systematische Durchsicht

der erhaltenen Bruderschaftsrechnungen würde sicher weitere Ausgaben dieser Art zum Vorschein

bringen.

63 StA Luzern FA 29/60.

64 So etwa in den Statuten der Krienser Rosenkranzbruderschaft von 1613: “Die bruderschafft des heiligen

rosenkranzes oder psalters unser lieben frauwen ist von dem heiligen Dominico prediger ordens ersten anfanges

umb das jar nach der geburt Christi thusent zweyhundert ufgerichtet worden”. StA Luzern FA

29/119.

65 Errichtungsbulle für Baldegg von 1599: “Volumus autem et omnino observari iubemus, quod in venerabili

icona dictae capellae quindecim nostrae redemptionis sacra mysteria pingantur, nec non pro huiusce

concessionis consentanea recognitione in eadem icona divi patris nostri Dominici sacri rosarii autoris

imago venerabilis flexis genibus de manu Deiparae virginis coronulas orarias accipientis similiter pingatur.”

StA Luzern URK 472/8432.

66 Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da nicht für alle Kantone gleich gute Unterlagen

vorliegen. Vgl. die entsprechenden Bände der “Kunstdenkmäler der Schweiz”; Renaissancemalerei in Luzern,

Luzern 1986, S. 101-103.

12

Altdorf UR 1594 ca. Rosenkranzbild

Arth SZ 1606 Rosenkranzbild

Baar ZG 1624 ca. Rosenkranzfresken

Menzingen ZG 1624-1626 Rosenkranzaltar

Geuensee LU 1625-1650 Rosenkranzaltar

Oberägeri ZG 1627 Rosenkranzaltar

Grosswangen LU 1627-1635 Rosenkranzaltar68

Neuheim ZG 1628 Rosenkranzaltar

Menznau LU 1628-1635 Rosenkranzaltar

Eschenbach LU 1632 Rosenkranzaltar

Altdorf UR 1638 Rosenkranzaltar

Hasle LU 1640-1650 Rosenkranzmadonna

Luzern, Hofkirche 1643 Rosenkranzaltar

Muri AG 1643 Rosenkranzaltar

Stans NW 1647 Rosenkranzaltar

Weggis LU 1600-1650 Rosenkranzbild

Winikon LU 1650-1700 Rosenkranzaltar

Malters LU 1650-1700 Reliquiar

Greppen LU 1657 Rosenkranzaltar

Hermetschwil, Kloster AG 1657 Rosenkranzaltar

Seelisberg UR 1660 ca. Bruderschaftstafel

Wolhusen LU 1664 Rosenkranzaltar

Flüelen UR 1665-1670 Prozessionsmadonna

Gnadenthal, Kloster AG 1664 Rosenkranzaltar

Lachen SZ 1665 Rosenkranzaltar

Romoos LU 1666-1669 Rosenkranzaltar und Schrein

Escholzmatt LU 1667 Rosenkranzgemälde (Altar?)

Buchrain LU 1682 Rosenkranzaltar

Kriens LU 1687 Rosenkranzaltar

Seelisberg UR 1687 Prozessionsmadonna

Andermatt UR 1691 Ronsenkranzmadonna

Niederwil AG 1695 Altarbild

Seewen SZ 17. Jh. Rosenkranzverleihungsgruppe

Als kulturgeschichtlicher Spezialfall ist schliesslich das 1629 in Küssnacht SZ aufgeführte

“Dominikus-Spiel” von Pfarrer Martin Wyss zu nennen. Dieses Rosenkranzschauspiel bezweckte

ausdrücklich die Propagierung des Rosenkranzgebets im Zusammenhang mit der im

selben Jahr eingeführten Bruderschaft, indem den Zuschauern der Rosenkranz als Heilmittel

gegen die Verderbnis der weltlichen Laster vor Augen geführt wurde.69 In Einsiedeln wurde in

der Barockzeit die Rosenkranzbruderschaft zur Trägerin der Aufführung geistlicher Schauspiele.

70

67 Der bei Heinrich Dieffolt in Feldkirch bestellte Altar wurde während des Transports in Zürich weitgehend

zerstört. Matthias Senn, ein später Bildersturm in Zürich, 1587, in: Hans-Dietrich Altendorf/Peter Jezler

(Hg.), Bilderstreit. Kulturwandel in Zwinglis Reformation, Zürich 1984, 135-140.

68 Heute in Niederrickenbach NW.

69 Albert Mühlebach, Das “Dominikus-Spiel” des Martin Wyss, aus dem Pfarrarchiv von Buttisholz, in: Der

Geschichtsfreund 84 (1929), 90-108.

70 Oskar Eberle, Theatergeschichte der Innern Schweiz. Das Theater in Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden

und Zug im Mittelalter und zur Zeit des Barock 1200-1800, Königsberg 1929, 148f.

13

Schluss

Können die Rosenkranzbruderschaften als Instrumente der Konfessionalisierung bezeichnet

werden? Mit aller Vorsicht im Hinblick auf das recht enge Untersuchungsgebiet möchte ich

dies doch bejahen:71 Durch eine möglichst starke Verbreitung der Bruderschaften gerade auch

auf dem Land strebte die Kirche nach dem Konzil von Trient und insbesondere in der ersten

Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Durchdringung des Volkes72 mit einer neuen Gebetskultur in

Verbindung mit der bereits bestehenden und weit verbreiteten Marienverehrung an. Verbunden

damit war die Förderung eines häufigeren Sakramentenempfangs (Beicht und Eucharistie).

Mit der Unterstützung des nachtridentinischen Reformklerus scheinen diese Ziele vielerorts

erreicht worden zu sein.73

71 Ein Vergleich mit Bayern zeigt ähnliche Ergebnisse; vgl. Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte

II, 734ff., 928ff.

72 Stichproben im Kanton Luzern lassen vermuten, dass sich ein grosser Teil der Gläubigen in den Pfarreien

in die neu gegründeten Bruderschaften einschreiben liess, wobei ein deutliches Übergewicht der Frauen

festzustellen ist: Pfarrei Malters (eingeführt 1611) 606 Personen (282 Frauen, 211 Männer, 123 Kinder);

Pfarrei Geiss (eingeführt 1613) 208 Personen (105 Frauen, 75 Männer, 28 Kinder); Pfarrei Kriens (eingeführt

1613) 352 Personen (203 Frauen, 149 Männer). StA Luzern FA 29/151, 70, 119. Der Befund müsste

allerdings auf breiterer Basis verifiziert werden.

73 Zu den Bruderschaften im Kanton Luzern im 18. Jahrhundert Hans Wicki, Staat Kirche Religiosität. Der

Kanton Luzern zwischen barocker Tradition und Aufklärung, Luzern-Stuttgart 1990 (=Luzerner Historische

Veröffentlichungen 26), 224-228. Siehe auch Rudolf Pfister, Kirchengeschichte der Schweiz, Bd. 2,

Zürich 1974, S. 473f.

14

Bibliographie (nur abgekürzt zitierte Literatur)

Jan Gerchow, Bruderschaften im spätmittelalterlichen Freiburg i. Br., in: Freiburger Diözesan-

Archiv 133 (1993), 5-74

Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte, Bd.I.2: Von den Anfängen bis zur Schwelle

der Neuzeit. Das kirchliche Leben, St. Ottilien 1991; Bd.II: Von der Glaubensspaltung bis zur

Säkularisation, St. Ottilien 1993

Helvetia Sacra IV/5: Die Dominikaner und Dominikanerinnen in der Schweiz, 2 Bde., Basel

1999

Rudolf Henggeler, Die kirchlichen Bruderschaften und Zünfte der Innerschweiz, Einsiedeln o.

J. [1955]

Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i. Br. 1993-2001

Gilles-Gérard Meersseman, Ordo fraternitatis: confraternite e pietà dei laici nel medioevo, 3

Bde., Rom 1977 (= Italia Sacra 24-26)

Le mouvement confraternel au moyen âge. France, Italie, Suisse (Actes de la table ronde organisée

par l’Université de Lausanne avec le concours de l’Ecole française de Rome et de

l’Unité associée 1011 du CNRS, Lausanne 9-11 mai 1985), Genève 1987 (= Publications de

la Faculté des Lettres 30)

Quellen zur Geschichte der Kölner Laienbruderschaften vom 12. Jahrhundert bis 1562/63,

bearb. von Klaus Militzer, Düsseldorf 1997-2000 (Publikationen der Gesellschaft für rheinische

Geschichtskunde 71)

Henri Dominique Saffrey, La fondation de la Confrérie du Rosaire à Cologne en 1475. Histoire

et iconographie, in: Gutenberg-Jahrbuch 2001, 143-164

Jean-Claude Schmitt, La confrérie du Rosaire à Colmar (1485). Textes de fondation, exempla

en allemand d’Alain de la Roche, listes des prêcheurs et des soeurs dominicaines, in: Archivum

Fratrum Praedicatorum 40 (1970), 97-124

Bernhard Schneider, Wandel und Beharrung. Bruderschaften und Frömmigkeit in Spätmittelalter

und Früher Neuzeit, in: Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung

54 (1994), 65-87

Die Zeit der Konfessionen (1530-1620/30), hg. Marc Venard (dt. Ausgabe hg. Heribert Smolinsky),

Freiburg-Basel-Wien 1992 (= Die Geschichte des Christentums. Religion – Politik –

Kultur, Bd. 8)

Die deutsche Literatur des Mittelalters: Verfasserlexikon, 2. Aufl., Berlin-New York 1978ff.

15

Rosenkranzbruderschaften in der Zentralschweiz 1588-1789

Ort Kt. Jahr

Steinen, Kloster SZ 1588

Meierskappel LU 1591

Luthern LU 1592

Altdorf UR 1593

Entlebuch LU 1595

Baldegg LU 1599

Einsiedeln SZ 1600

Engelberg OW 1607

Silenen UR 1610

Malters LU 1611

Geiss LU 1613

Kriens LU 1613

Sachseln OW 1618

Eschenbach LU 1619

Stans NW 1620

Ufhusen LU 1620

Arth SZ 1623

Menzingen ZG 1623

Luzern LU 1623

Willisau LU 1623

Schüpfheim LU 1623

Giswil OW 1624

Kerns OW 1624

Sarnen OW 1624

Baar ZG 1624

Büron LU 1624

Beromünster LU 1624

Emmen LU 1624

Hergiswil LU 1624

Gormund LU 1624

Rathausen, Kloster LU 1624

St. Urban, Kloster LU 1624

Zell LU 1624

Bürglen UR 1625

Erstfeld UR 1625

Lachen SZ 1625

Cham ZG 1625

Oberägeri ZG 1625

Zug ZG 1625

Werthenstein LU 1625

Altishofen LU 1625

Andermatt UR 1626

Schattdorf UR 1626

Seedorf, St. Lazarus UR 1626

Steinen SZ 1626

Lungern OW 1626

Eich LU 1626

Rothenburg LU 1626

Wolhusen LU 1626

Wolfenschiessen NW 1627

Neuheim ZG 1627

Ort Kt. Jahr

Risch ZG 1627

Aesch LU 1627

Weggis LU 1627

Sattel SZ 1628

Walchwil ZG 1628

Escholzmatt LU 1628

Horw LU 1628

Menznau LU 1628 c.

Küssnacht SZ 1629

Gersau SZ 1630

Triengen LU 1630

Muothatal SZ 1631

Neuenkirch LU 1632

Ruswil LU 1632

Tuggen SZ 1633

Schwyz SZ 1634

Inwil LU 1636

Udligenswil LU 1637

Doppleschwand LU 1638

Buchrain LU 1639

Knutwil LU 1639

Buttisholz LU 1640

Hitzkirch LU 1640

Steinerberg SZ 1641

Winikon LU 1641

Seelisberg UR 1644

Ingenbohl SZ 1644

Freienbach SZ 1645

Hasle LU 1646

Root LU 1647

Greppen LU 1649

Römerswil LU 1649

Reichenburg SZ 1650

Sursee LU 1650

Schübelbach SZ 1651

Morschach SZ 1655

Schongau LU 1660

Feusisberg SZ 1662

Adligenswil LU 1662

Richenthal LU 1664

Pfeffikon LU 1666

Reiden LU 1666

Isenthal UR 1667

Wollerau SZ 1668

Littau LU 1669

Grosswangen LU 1670

Flüelen UR 1671

Sisikon UR 1674

Ebikon LU 1678

Attinghausen UR 1682

Innerthal SZ 1685

16

Ort Kt. Jahr

Spiringen UR 1688

Unterschächen UR 1688

Lauerz SZ 1690

Oberiberg SZ 1690

Melchthal OW 1698

Sempach LU 1698

Nottwil LU 1698

Oberkirch LU 1700

Uffikon LU 1701

Neudorf LU 1702

Rain LU 1705

Marbach LU 1710

Pfaffnau LU 1724

Unterägeri ZG 1725

Stalden OW 1726

Hochdorf LU 1730

Hospenthal UR 1733

Romoos LU 1736

Kägiswil OW 1738

St. Niklausen OW 1738

Oberwil ZG 1745

Hohenrain LU 1746

Ballwil LU 1755

Rickenbach LU 1765

Meggen LU 1782

Rothenturm SZ 1789

17

Errichtungsbulle der Rosenkranzbruderschaft an der Schlosskapelle Baldegg (StA

Luzern URK 472/8432)

IN NOMINE SANCTISSIMAE ET INDIVIDUAE TRINITATIS, patris et filii et spiritus

sancti, et ad laudem et gloriam beatissimae Dei genitricis perpetuae virginis Mariae dominae

nostrae piamque venerationem divi patris nostri Dominici sacri rosarii autoris atque institutoris,

NOS FR[ater] HIPPOLYTUS MARIA BECCARIA DE MONTE REGALI totius ordinis

praedicatorum humilis magister generalis, omnibus prasentes litteras inspecturis salutem in

domino sempiternam. Quemadmodum christianae perfectionis summam in unitate christianorum

invicem et ad Christum veluti membrorum ad caput omnium perfectionum fontem

consistere credimus, ita ad illam adipiscendam optimum esse orationis medium ratione et experientia

pie edocemur. Modus vero Deum orandi secundum quem sacratissima virgo Maria

mater Dei per centum quinquaginta salutationes angelicas et quindecim dominicas orationes

instar Davidici psalterii colitur, qui rosarium nuncupatur, a sanctissimo patre nostro divo Dominico

primum inventus et institutus a summis Romanis pontificibus successive ad devotam

patrum nostri ordinis intercessionem approbatus, privilegiis quoque maximis ac innumeris

indulgentiis aliisque apostolicis gratiis decoratus inter caeteros in ecclesia inventos ad hoc

obtinendum (ni fallimur) magnopere confert. Nam praeter hoc, quod beatissima Dei genitrix,

cuius intercessio nobis perfectionem hanc impetrare potest, ibi crebrius invocatur, ipse quoque

per se modus orandi (si recte fiat) quam facillime compendio illam consequitur, dum Iesu

Christi salvatoris nostri vitam omnem per quindecim mysteria digestam meditando percurrere

facit. Quae vos in Christo dilectissimi et devotissimi christifideles CASTRI BALDEGG

CONSTANTIENSIS DIOC[esis] pie considerantes et ad habendum, augendum et conservandum

praedictum modum orandi confraternitatem psalterii sive rosarii sub invocationem beatae

Mariae virginis in ecclesia S. JODOCI dicti castri instituistis et ordinastis eiusque altare et

capellam fundastis ad instantiam admodum ILL[ustri] D[omini] STEPHANI ALEXANDRI

SEGISSER AEQU[i] AUR[ati] SENATORIS LUCERNAE et praefecti vigilum Elvetiorum

S[anctissi]mi D[omini] N[ostri] CLEMENTIS P[a]P[ae] octavi ac domini eiusdem CASTRI,

cupientes autem institutionem, ordinationem et fundationem huiusmodi a nobis recipi et approbari

nostrisque patentibus litteris confirmari instantissime petivistis per interpositam personam

d[omini] Jo[hannis] a Cham civis Lucernensis locumtenentis, ut dictam vestram confraternitatem

recipientes eam admittere approbare dignaremur cum gratiis et favoribus opportunis.

Nos igitur vestris votis et piis petionibus[!] inclinati dictam confraternitatem sic ut

praefertur institutam auctoritate apostolica nobis in hac parte concessa tenore praesentium

recipimus, approbamus et confirmamus perpetuaeque firmitatis robur adiicimus et quatenus

opus sit de novo erigimus per praesentes. Dummodo alia similis societas in dicto castro vel

prope illud in eius districtu circiter duo miliaria rite prius instituta non fuerit eamque confraternitatem

atque omnes utriusque sexus christifideles in eadem receptos et successive recipiendos

ad gratias, privilegia et indulgentias, quibus aliae consimiles confraternitates in ecclesiis

nostris institutae potiuntur, recipimus et admittimus in vita pariter et in morte, admonentes

eiusdem sanctissimi rosarii festum prima dominica mensis octobris singulis annis in eadem

capella celebrari debere iuxta felicis recordationis GREGORII P[a]P[ae] XIII decretum et

institutum in gratiarum actionem praeteritae ac memorandae victoriae contra Turchas eiusdem

societatis confratrum fusis praecibus eadem die (ut pie creditur) ac auxilio et interventu sacratissimae

matris dominae nostrae impetratae atque obtentae. Cuius societatis et capellae capellanum

deputamus modernum et pro tempore existentem dictae ecclesiae rectorem, qui nomina

et cognomina omnium christifidelium in eandem societatem ingredi et devote recipi petentium

in libro ad hoc specialiter deputato possit scribere, recipere et admittere, psalteria seu coronas

benedicere, sacri rosarii mysteria, ut decet, reverenter exponere ac omnia et singula facere,

quae fratres nostri in ecclesiis nostris ad hoc deputati facere possunt et rite consueverunt. In

18

diem Christi eius conscientiam onerantes, ne pro huiusmodi admissione, ingressu, scriptura et

benedictione aliquid omnino temporalis lucri quomodolibet exigat, sed gratis haec omnia

praestet, quemadmodum ipsius piae societatis capitula habent et sanctiones, uti etiam nos in

Dei cultum eiusque sanctissimae matris dominae nostrae gloriam et christifidelium salutem et

profectum gratis accepimus et gratis damus et concedimus. Volumus autem et omnino observari

iubemus, quod in venerabili icona dictae capellae quindecim nostrae redemptionis sacra

mysteria pingantur, nec non pro huiusce concessionis consentanea recognitione in eadem icona

divi patris nostri Dominici sacri rosarii autoris imago venerabilis flexis genibus de manu

Deiparae virginis coronulas orarias accipientis similiter pingatur. Decernimus et declaramus

postremo quod quandocunque contigerit fratres nostros intus vel extra dictum castrum per duo

miliaria ecclesiam obtinere ipso iure ipsoque facto ex nunc pro tunc absque nova declaratione

sed praesentium tenore dictam societatem ac omnes indulgentias et privilegia eidem concessa

ablata esse a dicta capella et penitus atque totaliter ad dictam nostram ecclesiam translata cum

omnibus bonis temporalibus dictae societati quomodolibet acquisitis, quam conditionem parrochi

et officiales tam ecclesiae praefatae quam confraternitatis admittere et manu propria

subscribere teneantur. Quae omnia in instrumento publico manu notarii facto poni debent et

explicari in nomine patris et filii et spiritus sancti, amen, quibuscunque in contrarium facientibus

non obstantibus. IN QUORUM fidem his patentibus litteris officii nostri sigillo munitis

manu propria subscripsimus gratis ubique et semper. Datum Romae in conventu nostro s. Mariae

supra Minervam die XVII IUNII MDXCVIIII.

[Eigenhändige Unterschrift des Ausstellers]

Assumptionis nostrae

anno undecimo.

R[egistrat]a folio 281.

De man[dato] r[everendissi]mi p[at]ris generalis Vincentius Raymundus in conspectu curiae

de Sabellis manu propria scripsit ac pinxit pro precio sexaginta iuliorum de Paulis, caeterum

sciant omnes expeditionem bullae gratis ubique et semper fieri.

Auf drei Seiten gemalter Rahmen mit Blumendekor. Oben in der

Mitte Medaillon mit der thronenden Madonna, vor sich links der

hl. Dominikus, dem sie einen Rosenkranz reicht, rechts die hl.

Katharina v. Siena; oben links Medaillon mit den hll. Petrus

und Paulus, oben rechts Medaillon mit dem hl. Jost; links und

rechts Medaillons mit den Wappen Segesser und Sonnenberg.

Bulle fehlt; es hängt noch die geflochtene Seidenschnur.

19

Statuten der Rosenkranzbruderschaft Geiss (1613) (StA Luzern FA 29/70)

Es hat der ehrwurdig wolgelehrt und geistlich herr Mathias Barmetler, der zytt pfarherr allhie

z∫ Geys, angesechen und ufgerichtet die gnadryche br∫derschafft des h[eiligen] rosenkranzes

oder psalters unser Lieben Frauwen, welche von dem h[eiligen] vatter Dominico umb das jahr

nach der geburt Christi thusent zweyhundert ist ufgerichtet worden.

Und daran stiftet der herr zwenzig guldin hauptg∫ths, Gott dem allmechtigen z∫ lob und ehren,

Maria der h[eiligen] himel kunigin und dem ganzen himlischen heer, demnach z∫ heil

und wolfarth aller lebendigen und abgestorbnen in dieser h[eiligen] br∫derschafft, insonderheit

aber fur sich selbst und alle, welche sinem gebett befolchen sind, auch fur ein ehrsames

gericht, fur ein ehrsame ganze gemeindt und wolvertruwten lieben kilchgenossen allhie z∫

Geys.

Es soll ein kilchherr diese br∫derschafft jarlich zwey mal beghan. Erstlich in der nachsten

wochen nach dem h[eiligen] fest Mariae heims∫chung im houwmonat. Zum anderen in den

ersten acht tagen nach Mariae empfencknus im christmonat, uf einen wercktag jedes mal mit

3 priesteren.

Man soll die br∫derschafft allzit darvor am sontag uff dem kanzel dem volck verkunden, und

darnach am jarzytt der ingeschribnen namen verlesen. Dryen priesteren, jedem gibt der kilchenvogt

fur sin belohnung zwenzig schillig.

Und ist das obgedachte hauptg∫th dem gottshus allhie z∫ handen gestellt, da man zalt nach

der geburt Christi thusent sechshundert und dryzechen jar.

Bittent Gott fur die seelen.

Kurtzer bericht von der gnadenrichen br∫derschafft des heiligen rosenkranzes oder psalters

unser Lieben Frauwen.

Anfang und ursprung dieser br∫derschafft.

Die br∫derschafft des heiligen rosenkranzes oder psalters unser Lieben Frauwen ist von dem

h[eiligen] Dominico prediger ordens ersten anfanges umb das jar nach der geburt Christi

thusent zweyhundert ufgerichtet worden.

Ablass und indulgentz.

Bestetiget und mit gar vil gnaden und ablas begabet von vilen bapsten, furnemlich aber von

Sixto dem vierten, Innocentio dem achten, Leone dem zechenden, Pio dem funften, Gregorio

dem dryzechenden, Sixto dem funften, Gregorio dem vierzechenden und Clemente dem achten.

Neben vil und grossen anderen ablas aber, so die bruederen und schwesteren erlangen konnen,

ist nit der wenigest, das wan sie in dise br∫derschafft ingeschriben werden, und z∫ der zytt

ihres absterbens erlangen vollkommenen ablas von aller schuld und straff, wo fern sie anderst

z∫vor wahrhaftig one allen faltsch und betrug ihre sunden gebichtet und das h[eilige] sacrament

des wahren lybs und bl∫ts Christi empfangen habent.

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Item das sie auch erlangen mogen allen ablas der stationen z∫ Rom, wan sie am selben tag

funf altar oder ein altar funf mal bes∫chen, und z∫ einer ieden bes∫chung der altar oder des

altars funf Vatter unser und funf Ave Maria sprechen.

Letstlich das sie auch alle wochen erlangen funf und sibenzig jar und sibenzig tag wahren

ablas, und dis, wan sie der br∫derschafft ordnung werden gn∫g th∫n.

Regel und satzung

Kein andere ordnung oder sazung hat die bruderschafft, dan allein, das alle die jenigen, so

sich darin begeben wollen, ihnen fursezen sollen, uff alle wochen z∫ sprechen dry rosenkrantz,

dz ist hundert und funfzig Ave Maria, funfzechen Vatter unser und dry glauben, namlich

fur ein rosenkrantz funfzig Ave Maria, funf Vater unser, ein glauben.

Nach was meinung und wie das gebett verrichtet werde.

Dises gebett soll gesprochen werden der wurdigen m∫tter Gottes und z∫ vorderst ihrem lieben

kind Jesu Christo z∫ lob und ehren, umb ein glucksaligen stand der h[eiligen] christlichen

kirchen, wie auch zum heil und wolfarth aller lebendigen und abgestorbnen in diser h[eiligen]

br∫derschafft, an was orthen der ganzen catholischen christenheit sie immer ingeschriben sient.

Es wird vergunt, dz die dry rosenkranz mogen gesprochen werden uf ein mal oder z∫ underschidenlichen

zytten, stehend, gehend, sizend, ligend, kniend, rittend, in der kirchen, im feld,

z∫ hus, am sontag, fyrtag oder wercktag, in summa, wie, wo und wan ein jeder kan oder wil.

Wan die brueder oder schwestern in einer oder vil wochen wenig oder gar nut an den dryen

rosenkrantzen betten, konnen sie solches versumptes gebett uf ein andere zytt volbringen. Es

konnen auch die dry rosenkranz vor der bestimpten zyt uf wenig oder vil wochen vollbracht

werden. Wo fern die bruederen und schwesteren kranckheit oder anderer wichtigen ursachen

halben verhinderet wurden, ihre gewohnliche dry rosenkrantz z∫ betten, und doch gern welten,

dz der br∫derschafft am gebett nichts abgieng, wird ihnen z∫gelasen, solches gebett durch

ein anders ihnen wollgefelliges mentsch z∫ vollbringen.

So die brueder und schwesteren us hinlasigkeit oder anderer ursach, was das ie fur eine sin

kan (allein das es nit gescheche us verachtung, welche verachtung in allweg ein sund mit sich

bringt), underlassen die dry rosenkrantz z∫ betten, begehent sy darumb ganz und gar kein

sund, weder todtlich noch laslich, doch werdent sy beraubt des ablas, auch nit theilhaftig aller

g∫ten wercken sampt anderen fryheiten der br∫derschafft, und sind glich als abgeschnitne

glider von dem lyb diser h[eiligen] versamlung, so lang sie die gemelten rosenkranz nit sprechen.

Doch konnen sie der br∫derschafft widerumb inverlybt werden, wan sie wollen, und dis

allein durch ordenliches wochen gebett villgemelter dryen rosenkranzen, one alle andere b∫s,

gn∫gthueung, versuemung, nuwer inschribung und des versumpten gebetts widerholung.

Mit was form und wys die uffnemmung und inschribung in dise br∫derschafft beschache.

Werden derhalben in dise heilige br∫derschafft umb Gottes willen allein, umbsunst, vergebens,

ohne gelts werth, one verehrung angenommen alle mentschen, g∫te und bose, mann und

wyb, knaben und magtlin, riche und arme, edel und pursluth, geistliche und weltliche, in

21

summa alle was stands, wesens oder alters sie ie sin mochtent. Doch wird erforderet, das

solche durch lebendigen glauben der h[eiligen] catholischen kirchen z∫gethan sient.

In dise br∫derschafft mogent auch die abgestorbnen ufgenommen werden, doch wird erforderet,

das lebendige personen vorhanden sient, welche der abgestorbnen namen (so z∫ ihren

lebzytten nie ingeschriben gewesen) nit allein begeren in z∫ schriben, sonder auch an stath

solcher abgestorbnen gewohnliches br∫derschafft gebett eintweders alle wochen selbst betten

oder andere in ihrem namen dis z∫ th∫n dahin verhalten.

Alle die jenigen, welche in offt ermelte br∫derschafft uffgenommen werden, habent auch gewalt

von der br∫derschafft, andere alle catholischen z∫ ermanen und dahin durch allerley geburende

mittel z∫ bringen, das auch sie die br∫derschafft annemmen wollent, deren namen sie

glichfals ufschriben und so lang under ihrem gewalt behalten mogen, bis das sie g∫te gelegenheit,

solche gen Rom oder andere orth (die dise br∫derschafft z∫ halten glichen gewalt

haben) z∫ schicken, uberkommen.

Published: May 6, 2014, 09:35 | Comments Off on Rosenkranz Bruderschaft heute und jetzt- ROSARY Confraternity and Ministry- now and then- by ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz
Category: ArchBishop, ROSARY 4 z Bishop

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