Apologeten- nach Rev. Klaus Vogt- von ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz

“Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung!”

(Apg 2,39a)

Leben mit den Geistesgaben – eine Entdeckungsreise durch die Kirchengeschichte

Teil 6: Zeitalter der “Apologeten” (2. Hälfte des 2. Jh.)

Begriffserläuterungen

Die maßgeblichen Kirchenlehrer in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts werden

wegen der Art ihrer Schriften meist als “Apologeten”

1

bezeichnet. Es geht ihnen vorrangig

um die Verteidigung des Christentums gegen seine Gegner von außen und innen

(nichtchristliche Philosophen oder Staatsmänner / Häretiker und Sektierer). Ihre Texte sind

hochintellektuelle Auseinandersetzungen, mit ihnen beginnt wissenschaftliche Theologie.

Interessanterweise ist der Heilige Geist dabei kaum ein Streitthema in dieser Zeit – das

kommt dogmengeschichtlich erst später: Im dritten und dann vor allem im vierten

Jahrhundert redet man sich die Köpfe heiß darüber im Zusammenhang mit der Lehre von

der Dreieinigkeit Gottes.

Wenn aufgrund der geschichtlichen Umstände der Schwerpunkt theologischer Schriften in

der Mitte und am Ende des 2. Jahrhunderts auf der Verteidigung bibelgemäßen Glaubens

liegt (vor allem gegen die weitverbreiteten Häresien der sog. “Gnosis”), gibt es dennoch

auch in dieser Epoche Zeugnisse über das Wirken des Heiligen Geistes in der

Gemeindepraxis – und nicht nur kluge theoretisch-philosophische Gedanken über den

Geist Gottes. An zwei maßgeblichen kirchlichen Persönlichkeiten dieser Zeit wird das

exemplarisch deutlich.

Justinus (um 100 – 165 n.Chr.)

Justin

2

(der nach seinem Tod den ehrenvollen Beinamen “der Märtyrer” bekam) stammt

aus einer vornehmen heidnischen Familie in Samaria, studiert Philosophie (und zwar die

verschiedensten Schulen der klassischen antiken Philosophie) und findet schließlich auf

der Suche nach der Wahrheit zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Sein

philosophisch geschultes scharfes Denken stellt er nach seiner Bekehrung in den Dienst

seines klaren Glaubenszeugnisses. Er gründet dazu in Rom eine philosophische

Hochschule und stellt dort den gebildeten (Noch-)Nichtchristen das Evangelium in einer

ihnen verständlichen Sprache und in ihren Denkkategorien dar

3

. Zugleich schreibt er

Auslegungen zu den biblischen Geschichten, veranschaulicht damit den göttlichen

Heilsplan und führt mit umfangreichen Listen von Bibelstellen den “Schriftbeweis” des

Glaubens an Jesus. Nachdem ihn ein erbitterter Gegner, der (sonst unbekannte)

kynische

4

Philosoph Crescentius

5

, denunziert hat, wird er von dem “Philosophen-Kaiser”

 

1

Von griechisch “apologia” = Verteidigung(srede), Rechtfertigung / “apologästäs” = Verteidiger (vor Gericht).

– Ein Apologet ist ursprünglich der juristische Magistratsbeamte einer griechischen Stadt. Von diesem

profanen Sprachgebrauch her wurde es in der Alten Kirche üblich, auch die Kirchenlehrer, die sich

besonders mit der Verteidigung des christlichen Glaubens beschäftigten, als “Apologeten” zu bezeichnen.

Weil das in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts ein besonderer Schwerpunkt theologischer Arbeit

war, hat diese Epoche die Bezeichnung “Zeitalter der Apologeten” bekommen. Natürlich haben wir bereits in

der Apostelgeschichte erste Zeugnisse von Apologie (z.B. Apg 7,2-53; 11,1-18; 22,1-21; 23,6; 24,10-21;

25,8-11; 26,1-29; 28,17-28). Und namhafte Kirchenväter im dritten und vierten Jahrhundert haben sich

ebenfalls als Apologeten verdient gemacht.

2

Wer sich intensiver mit Justin beschäftigen möchte, dem sei außer den in den Fußnoten genannten

Büchern vor allem folgende Literatur empfohlen:

 Caroline P. Bammel. Justin der Märtyrer. In: Martin Greschat (Hrsg.). Gestalten der

Kirchengeschichte. Band 1: Alte Kirche I. (Paperback-Ausgabe) W. Kohlhammer GmbH: Stuttgart – Berlin

– Köln, (1984) 1993. S. 51ff.– die Autorin lehrt Kirchengeschichte an der Universität Cambridge/England.

3

Benedikt XVI. Der hl. Justinus, Philosoph und Kirchenlehrer. In: Kirchenväter und Glaubenslehrer – Die

Großen der frühen Kirche. Sankt Ulrich Verlag GmbH.: Augsburg, 2008, Seite 18ff.

4

Von griechisch “kyōn” = Hund – eine Schulrichtung in der antiken Philosophie.

Mark Aurel im Jahr 165 wegen angeblichen “Atheismus und Gotteslästerung” zum Tode

verurteilt und enthauptet.

Von Justins Schriften sind heute nur drei

6

bekannt: zwei an den römischen Kaiser

Antonius Pius und den Senat von Rom gerichtete “Apologien” (um 150-155 n.Chr.

verfasst) und der “Dialog mit dem Juden Tryphon”. Der Dialog gibt in Form eines

philosophischen Streitgesprächs einen (fiktiven?) Disput mit einem gelehrten jüdischen

Rabbi wieder (es ist wohl der berühmte Tarphon gemeint) – vermutlich in Ephesus um 135

geführt. Die literarische Endfassung stammt aus der Zeit um 155-160 n.Chr. Die anderen

mindest fünf in Eusebius’ Kirchengeschichte

7

genannten Schriften sind leider verschollen.

Mit Justin taucht zum ersten Mal in der Kirchengeschichte der theologische Begriff “Taufe

im Heiligen Geist”

8

auf, nachdem im Neuen Testament nur die verbale Form “taufen

in/im/mit Heiligen/m Geist” verwendet wird.

Der antike Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea berichtet am Beginn des vierten

Jahrhunderts in seiner “Kirchengeschichte”:

“Justin schreibt auch, daß die prophetischen Gaben zu seiner Zeit noch in der

Kirche leuchteten.”

9

Er bezieht sich dabei auf das 82. Kapitel des “Dialogs”. Dort betont Justin “voller Stolz vor

dem jüdischen Trypho, ‚daß die prophetischen Gaben uns verbleiben’, nachdem sie von

den Juden auf uns übergegangen sind”

10

:

“Denn die prophetischen Gaben sind unter uns weiter wirksam bis in unsere Zeit

hinein. Und daher solltest du erkennen, daß die Gaben, die früher in deinem Volk

vorhanden waren, an uns weitergegeben wurden.”

11

Anschließend spricht Justin das Problem echter und falscher Prophetie an:

“Wie es aber neben euren heiligen Propheten noch falsche Propheten gegeben hat,

so gibt es auch jetzt bei uns viele falsche Lehrer. Vor diesen hat uns aber dereinst

unser Herr gewarnt. Wir lassen uns darum in keiner Weise übertölpeln; denn uns ist

klar, daß er vorauswußte, was nach seiner Auferstehung von den Toten und nach

seiner Himmelfahrt uns geschehen werde.”

12

Wir sehen: “Justinus erkannte wie Irenäus an, daß die Offenheit für echte Propheten das

Problem von falschen Propheten mit sich bringe.”

13

Die bereits vom Apostel Paulus

angesprochene Notwendigkeit, Prophetie am Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift zu

prüfen

14

, wird von den Kirchenvätern bestätigt.

 

5

Eusebius charakterisiert ihn so: “… mehr als alle der Päderastie ergeben und von Habgier ganz gefesselt”

und berichtet, dass Justin ihn wiederholt im öffentlichen Disput “als Schlemmer und Betrüger hingestellt” und

“zurechtgewiesen” habe (hist. eccl. 4,16,1 und 8-9). Justin ist also auch deshalb als Märtyrer gestorben, weil

er in Jesu Namen unbequeme Wahrheiten offen ausgesprochen und zur Umkehr gemahnt hat.

6

Justins Schriften sind in deutscher Übersetzung in der “Bibliothek der Kirchenväter” (= BKV) online

abrufbar unter: http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm#Justin . Von seinen anderen Schriften kennen wir aus

Kirchenväter-Zitaten lediglich die Titel oder geringe Bruchstücke.

7

Hist. eccl. 4,18,1ff.

8

Dial. 29,1 – so wörtlich (die in der BKV benutzte, knapp einhundert Jahre alte Übersetzung “Waschung” ist

missverständlich).

9

Hist. eccl. 4,18,8 – zitiert nach: Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. (Herausgegeben von Heinrich

Kraft, übersetzt von Philipp Haeuser.) Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt. 2012

6

. S. 219 (=

Band IV, Kapitel 18, Absatz 8).

10

Kilian McDonnell / George T. Montague. Eingliederung in die Kirche und Taufe im Heiligen Geist. Belege

aus den ersten acht Jahrhunderten. Vier-Türme-Verlag: Münsterschwarzach, 1998. S. 153.

11

Dial. 82,1 – zitiert nach der Rückübersetzung aus dem Amerikanischen in: John Wimber / Kevin Springer.

Vollmächtige Evangelisation. Gerth Medien GmbH: Hochheim, 2000. S. 147. – Kursive Auszeichnung durch

K.Vogt. Die BKV übersetzt so: “Bei uns gibt es nämlich noch bis auf den heutigen Tag prophetische

Charismen. Daraus solltet auch ihr ersehen, daß sie von eurem Volke, wo sie ehedem waren, auf uns

übertragen wurden.”

12

Dial. 82,1 – wenn nichts anderes vermerkt, sind alle weiteren Justinzitate in der Übersetzung der BKV

angegeben.

13

McDonnell, a.a.O., S. 153, Fußnote 17.

14

“Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet.”

(1Thess 5,19-21 / LÜ’84)An anderer Stelle redet Justin über die Wunder, die Jesus in der Kraft des Heiligen

Geistes gewirkt hat, und schlussfolgert daraus, dass beim sichtbaren Wiederkommen Jesu

noch größere Wunder geschehen werden – ein indirekter Beweis für das Fortdauern der

Geistesgaben:

“Wenn sich aber zeigt, daß seine Leidensmacht von solchen Wundern begleitet

wurde und begleitet ist, wie groß sind erst die Wunder, wenn er in Herrlichkeit

erscheint?”

15

Justin bezeugt, “daß es noch täglich solche gibt”, die nach ihrer Bekehrung Gnadengaben

geschenkt bekommen:

“… daß es noch täglich solche gibt, die Jünger seines Christus werden und den

Weg des Irrtums verlassen, welche auch, erleuchtet durch den Namen dieses

Christus, je nach dem Maße ihrer Würdigkeit Gaben empfangen, indem der eine

den Geist des Verstandes, ein anderer den des Rates, dieser den Geist der Stärke,

jener den der Heilung, der eine den Geist der Prophetie, der andere den der

Belehrung, wieder ein anderer den der Furcht Gottes erhält” (Jes 11,2 / 1Kor 12,7-

10) … Es wurde doch prophezeit, daß Christus nach seiner Himmelfahrt uns vom

Irrtum befreie, gefangen nehme und uns Geschenke gebe. Es heißt (Ps 67,19 / vgl.

Eph 4,8): ,Er fuhr auf in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab

Geschenke den Menschen.’ …

16

Da wir nun von Christus, der in die Höhe aufgefahren ist, Geschenke erhalten

haben, …”

17

Nachdem Justin ausführlich auf geistgewirkte Zeichen und Wunder in alttestamentlicher

Zeit eingegangen ist, führt er aus:

“Die Geistesgaben ruhten nun, das heißt sie hörten auf, sobald jener kam, nach

welchem sie infolge dieses unter den Seinigen in der Zeit verwirklichten Heilsplanes

bei euch aufhören mußten, um in ihm ruhend gemäß der Prophezeiung zu

Geschenken zu werden, welche er an jeden Christgläubigen, den er für würdig hält,

erteilt durch die Güte jenes mächtigen Geistes.

18

“Ich habe

19

bereits gesagt und sage es erneut: Es ist geweissagt worden, daß

Jesus nach seiner Auffahrt zum Himmel diese Gaben verleihen würde.

Entsprechend heißt es: »Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich

geführt und hat den Menschen Gaben gegeben.« Und in einer anderen Prophetie

heißt es: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen … da will ich ausgießen von

meinem Geist auf alle Menschen … und auf meine Knechte und auf meine Mägde

… und sie sollen weissagen.«”

20

“Jetzt können wir unter uns Männer und Frauen sehen, die die Gaben des Heiligen

Geistes besitzen.”

21

“In seiner »Zweiten Apologie« (ca. 153) spricht Justinus über die Namen, die Bedeutung

und die Kraft Gottes und Christi und schreibt dabei über Exorzismus und Heilung:”

22

“Es gibt unzählige Besessene überall in der Welt und auch in eurer Stadt. Viele von

unseren Christen trieben bei ihnen Dämonen aus im Namen Jesu Christi, der unter

Pontius Pilatus gekreuzigt wurde. Sie haben geheilt und heilen noch, entwaffnen die

Mächte und treiben die Teufel aus den Besessenen aus. Alle anderen Exorzisten

 

15

Dial. 31,1.

16

Dial. 39,2 – wo in den folgenden Zitaten “Gaben” oder “Geschenke” übersetzt ist, steht im Griechischen

“Charismen”.

17

Dial. 39,5.

18

Dial. 87,5.

19

Vgl. dial. 39,2.

20

Dial. 87,6 – zitiert nach: Wimber, a.a.O., S. 147f.

21

Dial. 88,1 – zitiert nach: Wimber, a.a.O., S. 148. – Hier übersetzt die BKV wörtlich: “Bei uns kann man

Frauen und Männer sehen, welche vom Geiste Gottes Charismen empfangen haben.”

22

Wimber, a.a.O., S. 147.konnten nicht befreien, auch jene nicht, die Zaubersprüche und Drogen

anwandten.”

23

Wir fassen zusammen: Der “Philosoph und Märtyrer”

24

Justin bezeugt am Rande seiner

Verteidigungsschriften auf vielfältige Weise das charismatische Leben in den Gemeinden

seiner Zeit.

Irenäus von Lyon

25

(um 135/140

26

– 202 n.Chr.) ist in Kleinasien, vermutlich in Smyrna

(heute: Izmir/Türkei), geboren. Nach seinen eigenen Aussagen

27

war er ein Schüler des

Bischofs Polykarp von Smyrna, der wiederum ein Schüler des (zum Schluss in Ephesus

wirkenden) Apostels Johannes war. Als zweiten Lehrer und Gewährsmann führt er Bischof

Papias von Hierapolis

28

an (ebenfalls Johannes-Schüler). Als junger, hochbegabter

Theologe geht Irenäus – “ein Mann des Glaubens”, geprägt von “missionarische[m]

Eifer”

29

– nach Lugdunum in Süd-Gallien (dem heutigen Lyon/Frankreich) und wird dort in

einer Presbyter-Liste aufgeführt. Eine Dienstreise als Sendbote seiner Gemeinde im Jahr

177 n.Chr. zu Papst Eleutherus bewahrt ihn vor einer blutigen Christenverfolgung in

Gallien, bei der neben seinem neunzigjährigen Bischof Pithinus mindest 48 Märtyrer zu

Tode kommen. In Rom verhandelt er u.a. über den Montanismus

30

(als dessen

Befürworter) und mahnt den Papst im Ostertermin-Streit zum Frieden. Nach der Rückkehr

wird er zum neuen Bischof von Lyon berufen und eingesegnet und “versieht dieses Amt

mit großem Glaubenseifer, bis ihm wohl um das Jahr 202 selbst das Martyrium ereilt”

31

.

Auch wenn sein griechischer Name “der Friedfertige” bedeutet und er sich wiederholt in

gesamtkirchlichen Fragen als Friedensstifter betätigt, ist Irenäus ein streitbarer Theologe –

der bedeutendste seiner Zeit. Er gilt als der erste systematische Theologe der frühen

Christenheit. Im Unterschied zu den übrigen Apologeten seiner Zeit argumentiert er nie mit

der Philosophie, sondern immer allein mit der Heiligen Schrift

32

. Seine Schriften

33

sind

wegweisend für die weitere Entwicklung der theologischen Wissenschaft. Seine Bücher

verfolgen “ein doppeltes Ziel: die Verteidigung der wahren Lehre gegen die Angriffe der

Häretiker und die klare Darlegung der Glaubenswahrheiten”

34

. Seine “regula fideis”

(“Glaubensregel”) schöpft aus der durch die Bischöfe treu und gewissenhaft überlieferten

 

23

2 apol. 5 (6) – zitiert nach: Wimber, ebd. (Die Kapitelüberschrift lautet übrigens: “Christus hat die

Dämonen gestürzt, wie die Macht der Christen über Besessene zeigt.” Der vorletzte Satz wird in der BKV so

übersetzt: “…heilen sie noch, indem sie die Dämonen, welche die Menschen festhalten, außer Kraft setzen

und vertreiben.”)

24

Diesen Ehrentitel gab ihm der Kirchenvater Tertullian um 200 n.Chr. (adv. Val. 5,11)

25

Wer sich intensiver mit Irenäus beschäftigen möchte, dem sei außer den in den Fußnoten genannten

Büchern vor allem folgende Literatur empfohlen:

 Norbert Brox. Irenäus von Lyon. In: Martin Greschat (Hrsg.). Gestalten der Kirchengeschichte.

Band 1: Alte Kirche I. (Paperback-Ausgabe) W. Kohlhammer GmbH: Stuttgart – Berlin – Köln, (1984) 1993.

S. 82ff. – der Autor lehrt Alte Kirchengeschichte und Patristik an der Universität Regensburg.

26

Sierszyn plädiert dagegen mit gewichtigen Gründen auf ein Geburtsjahr bereits ab 115 n.Chr. (Armin

Sierszyn. 2000 Jahre Kirchengeschichte. Band 1: Von den Anfängen bis zum Untergang des weströmischen

Reiches. Hänssler Verlag: Holzgerlingen, 2007

6

. S. 144f.)

27

Überliefert von Eusebius in: Hist. eccl. 5,20,5-8 – vgl. adv. haer. 3,3,4; 3,4,1.

28

Adv. haer. 5,33,4.

29

Benedikt XVI. Der hl. Irenäus von Lyon. In: Kirchenväter und Glaubenslehrer – Die Großen der frühen

Kirche. Sankt Ulrich Verlag GmbH.: Augsburg, 2008, Seite 23(ff).

30

Über Montanus und seine um 160 n.Chr. entstandene prophetische Bewegung (von den Anhängern “neue

Prophetie”, von den Gegnern “phrygische Häresie” genannt) werden wir in der nächsten Folge dieser

Artikelserie ausführlich reden.

31

Benedikt XVI., a.a.O., S. 28.

32

Sierszyn, a.a.O., S. 142.

33

Die wichtigsten sind seine fünfbändige Apologie “Adversus haereses” (“Gegen die Häresien” – die

griechische Ausgabe trägt den Titel “Entlarvung und Widerlegung der sogenannten Erkenntnis”) und sein

Buch “Demonstratio apostolicae praedicationis” (“Erweis der apostolischen Verkündigung”). Beides ist in der

“Bibliothek der Kirchenväter” (= BKV) online abrufbar unter http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm#Irenäus .

34

Benedikt XVI., a.a.O., S. 23.Lehre der Apostel. Und diese Überlieferung der Apostel ist laut Irenäus immer vom

Heiligen Geist geleitet, der ein “sicheres Charisma der Wahrheit”

35

schenkt und “die Kirche

immer frisch und jung macht, das heißt reich an vielfältigen Charismen”

36

. “Dass

authentische Glaubensüberlieferung nur durch [den] Beistand”

37

des Heiligen Geistes

möglich ist, betont schon der Apostel Paulus in 2Tim 1,14 (LÜ’84): “Dieses kostbare Gut,

das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.” Irenäus fasst

seine Gedanken darüber wie folgt zusammen:

“Wo die Kirche ist, dort ist der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die

Kirche und jegliche Gnade.”

38

Irenäus definiert die Kirche also als eine Gemeinschaft im Heiligen Geist, der die

einzelnen Gläubigen zum Leib Christi zusammenfügt.

Schrieb schon Justin, dass die Apostel “die Prophetien überlieferten” (1 apol. 49,5),

bestand für Irenäus (adv. haer. 1,10,2) die kirchliche Überlieferung ” … wesentlich darin,

diese apostolische Verkündigung wieder aufzunehmen und weiterzutragen”

39

– was

wiederum nur durch den Heiligen Geist und Seine Gnadengaben möglich ist. An anderer

Stelle beschreibt Irenäus die Aufgabe des Heiligen Geistes damit, dass er Offenbarung

schenkt und die Gemeinschaft mit Gott bewirkt.

40

In seiner Apologie bezeugt Irenäus mehrfach, dass in den Gemeinden seiner Zeit

selbstverständlich Charismen öffentlich ausgeübt wurden. Dafür einige Beispiele

41

:

“… die Kraft, in gleicher Weise einen Toten zu erwecken, wie der Herr sie erweckt

hat oder wie es die Apostel getan haben durch ihr Gebet oder wie es oftmals in der

Gemeinde der Brüder geschah, wo dann, wenn aus wichtigen Gründen die ganze

Kirche einer Gegend unter vielen Fasten und Opfern darum gefleht hatte, der Geist

der Verstorbenen zurückkehrte und der Mensch den Gebeten der Heiligen

geschenkt wurde.” (adv. haer. 2,31,2)

“… Daher wirken auch seine wahren Jünger, die von ihm die Gnade empfangen

haben, in seinem Namen zum Wohle der übrigen Menschen, entsprechend der

Gabe, die der Einzelne von ihm erhalten hat. Die einen von ihnen treiben wirklich

und wahrhaft Teufel aus, so daß oftmals diejenigen, welche von den bösen

Geistern gereinigt wurden, den Glauben annahmen und nun zur Kirche gehören.

Andere wiederum erkennen die Zukunft und besitzen die Gaben des prophetischen

Schauens und Redens, wieder andere heilen die Kranken durch Handauflegung

und machen sie gesund. Selbst Tote sind, wie wir erwähnten, bereits erweckt

worden, um noch mehrere Jahre unter uns zu weilen. Wer vermöchte nun die

Gnadengaben aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Erde von Gott

empfangen hat und im Namen Jesu Christi, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt

worden ist, tagtäglich zum Segen der Völker wirkt und durch welche sie niemanden

betrügt und sich selbst nicht bereichert? Wie sie dieselben unentgeltlich von Gott

empfangen hat, verwaltet sie dieselben auch unentgeltlich.” (adv. haer. 2,32,4)

 

35

Adv. haer. 4,26,2 (zitiert nach: Michael Fiedrowicz. Theologie der Kirchenväter – Grundlagen

frühchristlicher Glaubensreflexion. Herder: Freiburg, 2007. S. 69).

36

Benedikt XVI., a.a.O., S. 27 – kursive Auszeichnung durch K.Vogt.

37

Fiedrowicz, a.a.O., S. 332.

38

Adv. haer. 3,24,1 (zitiert nach: Benedikt XVI., a.a.O., S. 27).

39

Fiedrowicz, a.a.O., S. 47.

40

“Einige nämlich von ihnen sahen den prophetischen Geist und seine Wirkungen, die sich in die

verschiedenen Charismen ergossen. … So also offenbarte sich Gott. Denn in all diesem offenbart sich der

Vater, indem der Geist wirkt, der Sohn dient, der Vater bestätigt, der Mensch aber zum Heile vollendet wird.”

(adv. haer. 4,20,6 – kursive Auszeichnungen durch K.Vogt) – ” … da er [= Jesus / K.Vogt] den Geist des

Vaters ausgoß, um den Menschen mit Gott auf das innigste zu verbinden.” (adv. haer, 5,1,1). – Wenn nicht

anders angegeben, folgen alle weiteren Irenäus-Zitate der Übersetzung der BKV.

41

Jeweils zitiert nach: Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. (Herausgegeben von Heinrich Kraft,

übersetzt von Philipp Haeuser.) Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt. 2012

6

. S. 249f (= Band V,

Kapitel 7) – kursive Auszeichnungen durch K.Vogt.”Wie wir hören, besitzen viele Brüder der Kirche prophetische Gaben, sprechen

durch den Geist in vielen Sprachen, offenbaren das Verborgene zum Nutzen der

Menschen und verkünden die Geheimnisse Gottes.” (adv. haer. 5,6,1)

Im Zusammenhang mit Kritik an missbrauchter, falscher Prophetie heißt es:

“… wohl wissend, daß das Weissagen nicht von dem Magier Markus den Menschen

verliehen wird, sondern daß es ein Geschenk Gottes ist für jene, denen es Gott von

obenher sendet, und daß diese dann reden, wenn es Gott gefällt, …”

42

In Abgrenzung zu den Häretikern heißt es:

“Die Predigt der Kirche aber … hat für sich, wie nachgewiesen, das Zeugnis der

Propheten. … der Geist aber ist Wahrheit. Die den Geist der Wahrheit nicht

aufnehmen, empfangen von den Brüsten der Mutter keine Nahrung zum Leben,

noch das von dem Leibe Christi ausgehende, hellsprudelnde Quellwasser, sondern

‚graben sich durchlöcherte Zisternen aus Erdlöchern’ (Jer 2,13) , und trinken aus

Gruben faules Wasser. Um nicht widerlegt zu werden, fliehen sie [= die Häretiker /

K.Vogt] vor dem Glauben der Kirche; um nicht belehrt zu werden, verwerfen sie den

Hl. Geist.”

43

Und über die Kriterien der Prüfung und Beurteilung der Charismen schreibt der Bischof

von Lyon:

“Wo also die Charismen des Herrn niedergelegt sind, da muß man die Wahrheit

lernen, da ist die apostolische Nachfolge der Kirche, ein vernünftiger, untadeliger

Wandel und offenbar die unversehrte, unverfälschte Lehre. Sie bewahren nämlich

unseren Glauben an den einen Gott, der alles gemacht hat, und vermehren unsere

Liebe zu dem Sohn Gottes, der unseretwegen so große Dinge getan hat, und legen

ohne Gefahr uns die Schriften aus, sodaß wir weder Gott lästern, noch die

Patriarchen verunehren, noch die Propheten verachten.”

44

Allein diese Zitate belegen, dass zu Irenäus’ Zeit “die Charismen sowohl zum Leben der

Kirche gehören als auch in bedeutendem Maße zur apostolischen Verkündigung des

Evangeliums”

45

. Die Charismen waren “reichlich und mit großer Man[n]igfaltigkeit

vorhanden”

46

.

Der Kirchenvater Eusebius von Caesarea – Bischof, Leiter einer berühmten

theologischen Bibliothek und Begründer der wissenschaftlichen

Kirchengeschichtsschreibung – beurteilt das in seiner um 324 n.Chr. fertiggestellten

zehnbändigen “Historia Ecclesiastica” (“Kirchengeschichte”) am Schluss von seitenlangen

Irenäus-Zitaten so:

“So viel über die Tatsache, daß sich noch bis zu den erwähnten Zeiten bei denen,

die würdig waren, die Auszeichnung, Wunder zu wirken, erhalten hat.”

47

Auch Eusebius schließt also daraus, dass es noch in der Zeit des Irenäus lebendiges

charismatisches Leben in der Kirche gab.

Aus einem auf Irenäus zurückgehenden Bericht über die Märtyrer des Jahres 177 in

Gallien führt Eusebius zahlreiche geistgewirkte Wunder

48

an, die diese Blutzeugen in den

letzen Tagen ihres irdischen Lebens erfahren haben (z.B.: spontane Heilungen von

massiven Folterverletzungen, hungrige Zirkuslöwen rühren die gefesselte Christen in der

Arena nicht an, göttliche Kraftzufuhr zur Bewältigung schlimmster Folterqualen,

 

42

Adv. haer. 1,13,4 – kursiver Auszeichnungen in den Zitaten 14-16 durch K.Vogt.

43

Adv. haer. 3,24,1.

44

Adv. haer. 4,26,5.

45

Kilian McDonnell / George T. Montague. Eingliederung in die Kirche und Taufe im Heiligen Geist. Belege

aus den ersten acht Jahrhunderten. Vier-Türme-Verlag: Münsterschwarzach, 1998. S. 247.

46

Ebd., S. 252.

47

Fünftes Buch, Kapitel 7, Absatz 6. Zitiert nach: Eusebius von Caesarea, a.a.O., S. 250 – kursive

Auszeichnung durch K.Vogt.

48

Hist. eccl., fünftes Buch, Kapitel 1-3 und 5 (a.a.O., S. 233ff).prophetische Visionen und Worte) – alles eine Bestätigung der Verheißung Jesu in Apg

1,8: “Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf/über euch kommt.”

Eine wichtige Mahnung für die Gemeinde Jesu heute zieht der US-amerikanische

katholische Patristiker Kilian McDonnell aus seiner Beschäftigung mit Irenäus:

“Es ist lange her, daß Irenäus (und Paulus vor ihm) sagte, die Angst, Prophetie

könne mißbraucht werden, sei kein Grund, die Gabe in der Kirche auszulöschen.”

49

Jawohl: Missbrauch hebt nie den rechten Gebrauch einer Gabe auf! Darum gilt bis heute,

dass der “Mißbrauch von Prophetie … nicht dazu führen [darf], daß die Kirche Prophetie

grundsätzlich verwirft”

50

– oder zumindest geringschätzt. Das gleiche gilt natürlich auch für

alle anderen Charismen. (Wenn die heutigen Kritiker der Pfingst- bzw. charismatischen

Bewegung sich gründlich mit der Kirchengeschichte auseinandersetzen würden, kämen

sie gewiss zu differenzierteren Urteilen.)

Klaus Vogt

 

49

Kilian McDonnell, a.a.O., S. 443. – Die Fundstelle bei Irenäus ist leider nicht angegeben.

50

Ebd., S. 252.

Published: November 1, 2012, 12:12 | 2 Comments on Apologeten- nach Rev. Klaus Vogt- von ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz
Category: ROSARY 4 z Bishop

2 responses to “Apologeten- nach Rev. Klaus Vogt- von ArchBishop Uwe AE.Rosenkranz”

  1. hotel frankfurt oder…

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